11. Oktober 2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Briefing vom 11. Oktober geht es unter anderem um diese drei Themen:
01 · Herz-Reha hilft
Weniger Infarkte und wahrscheinlich weniger Klinikaufnahmen; für eine vermiedene Aufnahme nach 6–12 Monaten nennt der Review 17 Behandelte.
02 · Rückenstützen: Nutzen unsicher
Bei chronischen Kreuzschmerzen bleibt ein routinemäßiger Nutzen unzureichend belegt.
Die Originalarbeiten zu Krebs, Herz-Reha und Rückenstützen sind datierte Nachfunde aus September.
Alle zehn Meldungen stehen weiter unten – einfach scrollen.
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Was ist für euren Praxisalltag hilfreich? Rückmeldungen sind sehr willkommen.
Viele Grüße
Christoph
Alle 10 Meldungen
01 · Herz-Reha: weniger Klinikaufnahmen
Cochrane aktualisiert am 18.9. international 107 randomisierte Studien mit 26.886 KHK-Erkrankten: Bewegungsbasierte Reha senkt gegenüber keiner strukturierten Bewegung das Infarktrisiko und wahrscheinlich Krankenhausaufnahmen jeglicher Ursache. Für eine vermiedene Aufnahme nach 6–12 Monaten: 17 Behandelte (95%-KI 12–32). Kleine Studien könnten diesen Effekt überschätzen; Frauen sind unterrepräsentiert.
Für die Praxis: Nach Infarkt oder Revaskularisation die Teilnahme an strukturierter Reha konkret sichern.
Quellen: Cochrane · aktueller Originalabstract
02 · Lumbalstützen: Nutzen bleibt unsicher
Cochrane findet am 2.9. in acht Studien mit 501 Erwachsenen aus Asien und den USA wenig sichere Evidenz für Lumbalstützen bei chronischen Kreuzschmerzen. Allein möglicherweise kaum Nutzen; zusätzlich zu NSAR eventuell kurzfristig etwas weniger Schmerz. Funktionsgewinn und Schäden bleiben unzureichend geklärt.
Für die Praxis: Einen routinemäßigen Nutzen von Stützgurten oder Korsetts nicht versprechen.
Quellen: Cochrane · Review vom 2.9.
03 · US-Studie: Gewicht in 39 % der Gespräche
BMC Primary Care analysiert am 10.10. 123 gefilmte Termine eines US-Gesundheitszentrums: Typ-2-Diabetes, HbA1c ≥8 %, BMI ≥25. Gewicht war 48-mal Thema, dabei 21-mal Ernährung und 25-mal gewichtsreduzierende Diabetesmedikamente; bariatrische Chirurgie nie. Beobachtungsdaten eines Zentrums von 2023, kein Wirksamkeitsnachweis eines Gesprächsstils.
Für die Praxis: Bei passender Indikation ein eigenes Gespräch über Gewichtstherapie anbieten.
Quellen: BMC Primary Care · Originalarbeit
04 · Hormone und Stimmung: frühes Signal
Menopause berichtet am 8.9. über 260 Patientinnen eines New Yorker Zentrums: Nach systemischer Hormontherapie wegen menopausaler Beschwerden sank der psychologische Beschwerdescore (Menopause Rating Scale) binnen rund fünf Monaten im Mittel um 2,7 Punkte. Retrospektiv, ohne Kontrollgruppe: Therapieeffekt und natürliche Schwankung bleiben untrennbar; keine neue Depressionsindikation.
Für die Praxis: Stimmung und Schlaf bei ohnehin indizierter Hormontherapie im Verlauf erfassen.
Quellen: Menopause · Originalarbeit, Online-first 8.9.
05 · Alkoholverlangen: Review mit Schwächen
Ein Review im European Journal of Sport Science vom 28.9. berichtet über kurzfristig weniger Alkoholverlangen nach Bewegung: sechs Publikationen, unter anderem aus Schweden und England. Doch Stichproben überlappen; ältere Studiengruppen widersprechen der Beschränkung auf junge Erwachsene. Kontrollierte und unkontrollierte Daten werden vermischt.
Für die Praxis: Ein vorläufiges Signal, kein Nachweis wirksamer Rückfallprophylaxe oder Entzugsbehandlung.
Quellen: European Journal of Sport Science · Volltext/Tabelle 2
06 · Herzrisikorechner bei trans Menschen
Eine internationale Experteneinordnung im European Journal of Preventive Cardiology vom 11.10. betont: Übliche Herzrisikorechner sind für trans und geschlechtsdiverse Menschen nicht validiert. Hormonexposition und besondere soziale Belastungen fehlen. Beobachtungsdaten erlauben keine pauschale Kausalzuordnung zur Hormontherapie.
Für die Praxis: Klassische Risiken, Hormonbehandlung und individuelle Versorgungsziele gemeinsam einordnen.
Quellen: EJPC · Expert Opinion, Originalabstract
07 · Lebensstil und Krebs: stärkste Zusammenhänge
DKFZ-Analyse im British Journal of Cancer vom 15.9.: Krebsrisiken bei 287.745 britischen UK-Biobank-Teilnehmenden, median 11,5 Jahre. Stärkste inverse Assoziationen (adjustierte HR): Nichtrauchen – Lunge (0,13), Kehlkopf (0,18); Normalgewicht – Gebärmutter (0,52), Niere (0,65); Aktivität – Kehlkopf (0,56); bessere Ernährung – Darm (0,87); weniger Alkohol – Darm (0,84).
Jeweils gegen die übrige Gruppe: BMI >18,5 bis <25; Ernährung obere 40 % des Scores; Nichtrauchen einschließlich Exraucher:innen <30 Packungsjahre; Alkohol ≤12 g/Tag (Frauen), ≤24 g (Männer). Keine Kausalbelege; die Alkoholgrenzen sind keine Sicherheitsgrenzen.
Für die Praxis: Alle fünf Faktoren in der Präventionsberatung ansprechen.
Quellen: British Journal of Cancer · Original und Supplement, Tabelle 8
08 · Widerspruch: KIM allein genügt nicht
Ein vom ÄND am 11.10. aufgegriffener Fall aus Baden-Württemberg erinnert an die ältere Formvorgabe: Beim Widerspruch per Mail/KIM beschreibt die KVBW ein qualifiziert elektronisch signiertes PDF, etwa mit eHBA. Bloßer KIM-Nachrichtentext genügt diesem Weg nicht; andere gesetzliche Einreichungswege bleiben möglich.
Für die Praxis: Vor Fristablauf signierten Anhang und eröffneten Empfangsweg prüfen.
Quellen: KVBW · Anleitung S. 4 · ÄND · Anlass
09 · Kassen-Arztsuchen ohne Bewertungen
Das Bundesamt für Soziale Sicherung bekräftigt am 8.10. gegenüber bundesunmittelbaren Kassen die Aufsichtsposition: Subjektive Patientenbewertungen und Bewertungsaufforderungen gehören nicht in Kassen-Arztsuchen. Aufsichtsauslegung zu § 305 Absatz 3 SGB V, kein allgemeines Verbot privater Portale.
Für die Praxis: Bei entsprechenden Bewertungen die Krankenkasse auf das Rundschreiben hinweisen.
Quellen: BAS · Rundschreiben und Aufsichtsbeschluss
10 · Globale Risiken: Prävention zählt
Die Lancet-Kommission stellt am 11.10. beim World Health Summit in Berlin Szenarien zu 17 Gesundheitsbedrohungen in 204 Ländern und Territorien bis 2100 vor, darunter Adipositas, Bluthochdruck und Rauchen. Laut offizieller Mitteilung: keine sichere Prognose oder feste Rangliste; teils besonders unsichere Expertenurteile.
Für die Praxis: Vertraute Präventionsaufgaben bleiben zentral; daraus folgt keine neue Behandlungsvorgabe.
Quellen: WHS · Methoden · Lancet · Mitteilung
KI-Transparenz: Die Illustration wurde mit KI erzeugt. KI-Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Aufbereitung. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.