Notfallreform, ePA-Daten und West-Nil in Belgien | Hausarzt Intelligence 15. Oktober


15. Oktober 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Briefing vom 15. Oktober geht es unter anderem um diese drei Themen:

04 · Notfallreform: SSB, Dispensierrecht, Hausbesuche und Vernetzung
Der Bundestag hat die Reform beschlossen. Sie bringt einen neuen Rahmen für Sprechstundenbedarf, ein begrenztes Arzneiabgaberecht im Notdienst, den KV-Auftrag zur aufsuchenden Versorgung und die Vernetzung von 112, 116117 und INZ. Für die Praxis gilt vorerst weiter die regionale SSB-Liste; eine neue persönliche Hausbesuchspflicht während der eigenen Sprechstunde entsteht daraus nicht. Bundesrat und Verkündung stehen noch aus.

10 · ePA-Daten für Krankenkassen: ärztliche und Verbrauchervertretungen widersprechen
Bei der GeDIG-Anhörung kritisieren ärztliche und Verbrauchervertretungen die erweiterte Datennutzung durch Krankenkassen: Sie befürchten Profilbildung und zusätzlichen Beratungsbedarf. Die AOK verweist auf Präventionschancen. Es geht um einen Gesetzentwurf, noch nicht um geltendes Recht.

02 · West-Nil-Virus: schon lokale menschliche Fälle in Belgien
Das ECDC berichtet erstmals lokal erworbene menschliche Fälle in Belgien. Auch im Herbst bleiben Übertragungen möglich – ein Anlass, Mückenschutz bei Reisen in betroffene europäische Regionen anzusprechen, besonders bei älteren und immunsupprimierten Menschen.

(Und die gestrichene Fixkostendegression? Die steht hier natürlich nicht – darüber berichten ja schon alle anderen. 😉 Im Briefing findet ihr sie trotzdem unter 07.)

Eine Hausärztin koordiniert mit einem älteren Mann und einer Rettungskraft die Versorgung; auf dem Tisch liegen Karte, Tablet und Notfalltasche.

Alle zehn Beiträge mit 13 Meldungsanlässen stehen weiter unten – einfach scrollen. Der Nachfund zur Dauermedikation ist mit dem ursprünglichen Veröffentlichungsdatum vom 13. Oktober gekennzeichnet.

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Alle 10 Beiträge · 13 Meldungsanlässe

01 · Dauermedikation: nach eigenen Regeln

Eine Schweizer Interviewstudie (JGIM, 13.10.; 24 ausgewertete Gespräche aus Genf, 2022) zeigt: Chronisch Erkrankte gestalten ihre Dauermedikation kreativ – etwa durch Dosisänderungen oder Pausen. Keine Häufigkeitsschätzung.

Sprechstundenimpuls: Nachfragen: „Was nehmen Sie tatsächlich anders ein?“

Quellen: JGIM · Originalarbeit, 13.10.

02 · West-Nil erreicht neue Regionen

Das ECDC meldet am 15.10. für die EU 1.715 lokal erworbene menschliche West-Nil-Virus-Infektionen, Stand 7.10. – Saisonrekord; dazu 130 Todesfälle. Belgien berichtet erstmals lokale menschliche Fälle. Keine Hinweise auf erhöhten Schweregrad; Herbstübertragungen bleiben möglich.

Sprechstundenimpuls: Älteren und immunsupprimierten Reisenden auch in neu betroffenen europäischen Gebieten konsequenten Mückenschutz empfehlen.

Quellen: ECDC · Saisonbericht, 15.10.

03 · Mammographie ab 45: frühestens 2027

Der G-BA hat am 15.10. beschlossen, das deutsche Mammographie-Screening auf Frauen ab 45 Jahren auszuweiten. Für 45- bis 49-Jährige soll die Selbstanmeldung frühestens am 1.8.2027 beginnen, die persönliche Einladung voraussichtlich im Januar 2028. Rechtsaufsicht und Veröffentlichung stehen noch aus. Der mögliche Nutzen ist gegen Fehlalarme und Überdiagnosen abzuwägen.

Sprechstundenimpuls: Heute noch keinen Screeninganspruch ab 45 zusagen.

Quellen: G-BA · Mitteilung, 15.10. · Beschluss

04 · Notfallreform: vier Folgen für Praxen

Der Bundestag hat am 15.10. die deutsche Notfallreform beschlossen; Bundesrat und Verkündung stehen noch aus.

(1) Sprechstundenbedarf: Regionale Vereinbarungen regeln künftig auch Notdienst-Arzneivorräte und Bezug; bisherige Vereinbarungen gelten bis zur Ablösung weiter.

(2) Arzneiabgabe: Im aufsuchenden Notdienst und in Integrierten Notfallzentren (INZ) soll eine Überbrückung möglich werden: Die Anwendung muss unaufschiebbar sein; außerdem müssen Apotheken ortsüblich geschlossen sein oder unmittelbar Wochenende/Feiertag folgen. Maximal die Menge der kleinsten Packungsgröße.

(3) Hausbesuche: Die jederzeitige aufsuchende Versorgung ist KV-Auftrag, keine neue individuelle Übernahmepflicht während eigener Sprechstunden. Bestehende Pflichten gegenüber eigenen Patient:innen bleiben getrennt.

(4) Vernetzung: INZ verbinden Notaufnahme, KV-Praxis und Ersteinschätzung; digitale Vernetzung von 112/116117 geplant. Kein sofortiger flächendeckender Start.

Praxisaktion: Weiter nach regionaler Positivliste bestellen. Neue Notdienstvorräte/Erstausstattung sind nicht automatisch Kassenleistung; regionale Mittel- und Bezugsregeln entscheiden.

Quellen: Bundestag · angenommene Fassung · Plenumsbericht, 15.10.

05 · Konsiliarbericht: weniger, später digital

Der G-BA hat am 15.10. für Deutschland einen kürzeren, sicher elektronisch übermittelbaren Konsiliarbericht vor Psychotherapie beschlossen; noch nicht in Kraft. Bereits seit 30.7. entfällt der Bericht bei vertragsärztlicher Überweisung oder Klinikempfehlung nach psychiatrischer, psychosomatischer oder psychotherapeutischer Krankenhausbehandlung.

Workflow-Hinweis: Vor Berichtsanfragen die geltenden Ausnahmen prüfen.

Quellen: G-BA · Beschlussmeldung, 15.10. · § 28 Abs. 3 SGB V

06 · MD-Kommunikation künftig über die TI

Der Bundestag hat am 15.10. für Deutschland beschlossen: Medizinischer Dienst und Praxen sollen über sichere TI-E-Mail kommunizieren. Die MD-Richtlinie folgt bis Ende des zwölften Monats nach Verkündung.

Für den Hinterkopf: Künftiger MD-Kanal; Abläufe noch offen.

Quellen: Bundestag · angenommene Fassung, § 283

07 · Fixkostendegression gestrichen

Der Bundestag hat am 15.10. für Deutschland die geplanten Fixkostenabschläge bei hausarztzentrierter Versorgung (HZV) und hausärztlicher Entbudgetierung gestrichen. Bundesrat und Verkündung stehen aus.

Für den Hinterkopf: Die beschlossene Fassung enthält diese Honorarkürzung nicht mehr.

Quellen: KBV · Beschlussbericht, 15.10.

08 · Terminmeldungen: regionaler Umfang

Der Bundestag hat am 15.10. die Terminmeldepflicht für deutsche Vertragsarztpraxen verschärft. Bis 1.3.2027 sollen KVen mit den Kassen den Umfang der an die Terminservicestelle zu meldenden Termine festlegen, andernfalls entscheidet das Schiedsamt. Keine bundesweit identische Quote; noch nicht in Kraft.

Praxisaktion: Bis zur regionalen Neuregelung gelten die bisherigen Meldevorgaben weiter.

Quellen: KBV · Beschlussbericht, 15.10.

09 · DocMorris wächst mit Rezepten

DocMorris meldet am 15.10. für Deutschland im dritten Quartal 2026 einen Rezept-Außenumsatz von 108,1 Millionen CHF: +78,3 Prozent in lokaler Währung gegenüber dem Vorjahresquartal. Ungeprüfte Unternehmenszahlen; Digital Services umfasst neben TeleClinic weitere Angebote.

Für den Hinterkopf: Eigene Einordnung: wachsendes Plattformgeschäft; kein isoliert belegter Telemedizinboom oder Qualitätsvorteil.

Quellen: DocMorris · Quartalsmitteilung, 15.10.

10 · GeDIG: Streit um Kassendatenzugriff

Bei der Bundestagsanhörung am 14.10. zum deutschen Gesundheits-Digitalgesetz (GeDIG) kritisierten ärztliche und Verbrauchervertretungen die erweiterte Kassendatennutzung: befürchtet werden Profilbildung und Beratungsbedarf. Die AOK betont Präventionschancen. Gesetzentwurf, kein geltendes Recht.

Für den Hinterkopf: Datenbasierte Kassenansprache könnte mehr Erklärungsbedarf in der Sprechstunde erzeugen.

Quellen: Bundestag · Anhörungsbericht, 14.10.

KI-Transparenz: Die Illustration wurde mit KI erzeugt. KI-Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Aufbereitung. Auswahl, Einordnung und Veröffentlichung verantwortet Christoph Ludwig. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

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