16. Oktober 2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im Briefing vom 16. Oktober geht es unter anderem um diese drei Themen:
01 · Cholesterin-Screening bei Kindern: Empfehlung ohne direkten Nutzenbeleg
Die Hyperlip-Kid-Leitlinie empfiehlt ein Screening aller 5- bis 11-Jährigen auf familiäre Hypercholesterinämie per Expertenkonsens. Direkte Belege für weniger Herzinfarkte oder Todesfälle durch die Screeningkette fehlen; DEGAM, BVKJ und der DGKJ-Vorstand widersprechen. Familiäre Verdachtsfälle verdienen gezielte Abklärung.
05 · West-Nil: jetzt auch lokal erworbene Fälle in Baden-Württemberg
Nach der gestrigen Belgien-Meldung der Blick nach Baden-Württemberg: Das Land berichtet über die ersten beiden lokal erworbenen Infektionen bei Menschen im Raum Stuttgart und Karlsruhe. West-Nil gehört in der Mückensaison auch ohne Auslandsreise in die Differenzialdiagnose; laut Landesgesundheitsamt besteht kein erhöhtes Allgemeinrisiko.
09 · KV Nordrhein testet Videozugang zum ärztlichen Bereitschaftsdienst aus Apotheken
Ein angekündigtes Pilotprojekt soll die ärztliche Bereitschaftsdienst-Videosprechstunde auch aus Apotheken zugänglich machen. Die ärztliche Behandlung bleibt beim Bereitschaftsdienst; wenn eine körperliche Untersuchung nötig ist, scheidet Video aus. Versorgungsvorteile sind bislang nicht belegt.
Alle elf Meldungen mit Praxishinweisen und Originalquellen stehen weiter unten – einfach scrollen. Die West-Nil-Meldung stammt vom 14. Oktober und ergänzt die gestrige Nachricht aus Belgien.
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Was ist für euren Praxisalltag hilfreich? Rückmeldungen sind sehr willkommen.
Viele Grüße
Christoph
Alle 11 Meldungen
01 · Kinderscreening ohne Nutzenbeleg
Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss gab am 16.10. die deutsche Hyperlip-Kid-Leitlinie zur AWMF-Übermittlung frei. Sie empfiehlt ein Screening aller 5- bis 11-Jährigen auf familiäre Hypercholesterinämie (erbliche Fettstoffwechselstörung) per Expertenkonsens. Direkte Belege für weniger Herzinfarkte oder Todesfälle durch die Screeningkette fehlen. Die hausärztliche DEGAM, pädiatrischer Berufsverband BVKJ und der Vorstand der Kinderfachgesellschaft DGKJ widersprechen. Testgüte und Überdiagnosefolgen sind unzureichend geklärt. LDL-Senkung durch Statine ist belegt; klinischer Langzeitnutzen wesentlich durch einen verzerrungsanfälligen Generationenvergleich.
Praxisaktion: Familiäre Verdachtsfälle gezielt abklären; kein Therapieautomatismus nach auffälligem Suchtest.
Quellen: G-BA: Bericht · Beschluss · IQWiG
02 · Check-up: drei Prüfaufträge
Der Gemeinsame Bundesausschuss erläutert am 15.10. die bundesweite Check-up-Prüfung: Drei Aufträge vom 24.9. betreffen risikoadaptierte Untersuchungen, Harnstreifen bei Symptomlosen über 35 und einmaliges HIV-Screening symptomloser Erwachsener. Berichte des Nutzenprüfinstituts IQWiG binnen sechs Monaten zum Urintest, zwölf Monaten zu den übrigen Fragen.
Workflow-Hinweis: Noch keine Änderung des Leistungsumfangs oder neues anlassloses HIV-Screening.
Quellen: G-BA: Harnstreifen · HIV · Risiko
03 · UPF: Darmkrebsbefund differenziert
PLOS Medicine berichtet am 15.10. aus einer US-Kohorte (461.682 Erwachsene, 10.075 Darmkrebse): Für hochverarbeitete Lebensmittel insgesamt kein gesicherter Zusammenhang, höchstes versus niedrigstes Fünftel HR 0,97 (95%-KI 0,91–1,03). Verarbeitete Fleisch-/Fischprodukte waren positiv assoziiert. Einmalige Ernährungsabfrage, Restkonfounding.
Sprechstundenimpuls: Lebensmittelgruppen konkret besprechen; keine Entlastung für verarbeitetes Fleisch.
Quellen: PLOS Medicine
04 · Testosteron: die Grenzwertfrage
JAMA berichtet am 15.10. aus 479 aktiven US-Soldaten: Gewichtet auf die Army-Bevölkerung lagen 25,7% unter 300 ng/dl Testosteron, 14,7% unter 264 ng/dl. Einzelmessungen ergeben keine Hypogonadismusdiagnosen; keine deutsche Prävalenzschätzung.
Praxisaktion: Bei passenden Beschwerden testen, niedrige Morgenwerte bestätigen; kein Screening Symptomloser.
Quellen: JAMA
05 · West-Nil in Baden-Württemberg
Das Sozialministerium BW meldete am 14.10. zwei erste lokal erworbene West-Nil-Infektionen bei Menschen im Raum Stuttgart/Karlsruhe – ergänzend zur gestrigen Belgien-Meldung. Kein Auslandsaufenthalt; laut Landesgesundheitsamt kein erhöhtes Allgemeinrisiko.
Praxisaktion: Bei unklarem Fieber oder neurologischer Erkrankung in der Mückensaison West-Nil auch ohne Reise erwägen.
Quellen: Sozialministerium BW
06 · Orforglipron als Tablette
Die EMA meldet am 16.10. ein EU-Zulassungsvotum für Orforglipron (Foundayo) bei Adipositas/Typ-2-Diabetes Erwachsener. Zwei Gewichtsstudien, insgesamt 4.740 Teilnehmende: nach 72 Wochen etwa 5–11% Gewichtsverlust versus 2–2,5% unter Placebo. Häufig Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.
Für den Hinterkopf: Tägliche Tablette; Kommissionsentscheidung, deutsche Verfügbarkeit und Erstattung noch offen.
Quellen: EMA
07 · Kyinsu: breiterer Einsatz
Der EMA-Arzneimittelausschuss empfiehlt am 15.10. für die EU, bei Kyinsu den Vorbehandlungsvorbehalt mit Basalinsulin oder GLP-1-Agonisten zu streichen. Die wöchentliche Kombination Insulin icodec/Semaglutid soll bei unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes Erwachsener zusätzlich zu oralen Antidiabetika einsetzbar werden.
Für den Hinterkopf: Erweiterung einer bestehenden Zulassung; neue Fachinformation erst nach Kommissionsentscheidung.
Quellen: EMA: Änderungsvotum · EPAR
08 · Nyxoid: Votum für rezeptfrei
Die EMA meldet am 16.10. die EU-Empfehlung zur rezeptfreien Abgabe von Nyxoid, einem Naloxon-Nasenspray gegen Opioidüberdosierungen. Damit gilt noch keine sofortige rezeptfreie Abgabe in Deutschland.
Praxisaktion: Gefährdete und Angehörige zum Notfallplan beraten; 112 und erforderliche Wiederbelebung bleiben nötig.
Quellen: EMA: CHMP · Produktinformation
09 · Videozugang aus Apotheken
Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein kündigt am 16.10. mit dem Apothekerverband einen Pilotzugang zur ärztlichen Bereitschaftsdienst-Videosprechstunde aus Apotheken an. Bisherige Zeiten und Ausschluss bei notwendiger körperlicher Untersuchung bleiben.
Für den Hinterkopf: Apotheken als Zugang zum ärztlichen Dienst; Versorgungsvorteile noch nicht belegt.
Quellen: KV Nordrhein
10 · KI: Therapie vor Diagnostik
JAMA publiziert am 15.10. US-Nutzungsdaten zu OpenEvidence: 271 Millionen Fragen von Gesundheitsfachpersonen, Januar 2024 bis Juni 2026. Ärztliche Anfragen: 33,1% Therapie/Management, 13,9% Diagnostik. Unternehmensbeschäftigte analysierten mit.
Für den Hinterkopf: Starke Nutzung belegt weder richtige KI-Antworten noch bessere Behandlungsergebnisse.
Quellen: JAMA
11 · BW: Entbudgetierung mit Restquoten
Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg veröffentlicht am 15.10. Quoten für Q2/2026: Kapitel 3/Besuche (01410–01413/01415) 100%; übrige hausärztliche Leistungen aus der Gesamtvergütung 95,91%; Psychosomatik (35100–35120) 91,47%; Schmerztherapie (30.7.1–30.7.3) 96,38%.
Praxisaktion: Im BW-Honorarbescheid volle Vergütung und quotierte Bereiche getrennt abgleichen.
Quellen: KVBW: Abrechnung 2/2026
KI-Transparenz: Die Illustration wurde mit KI erzeugt. KI-Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Aufbereitung. Auswahl, Einordnung und Veröffentlichung verantwortet Christoph Ludwig. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.