Impfkurs-Dissens, junge Hypertonie und Deprescribing | Hausarzt Intelligence 14. Oktober


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14. Oktober 2026

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Briefing vom 14. Oktober geht es unter anderem um diese drei Themen:

03 · Mehr Apotheken-Impfungen: BAK und BÄK beim Impfkurs uneinig
Beim Curriculum für weitere Nicht-Lebendimpfungen besteht laut Bundesärztekammer weiterhin fachlicher Dissens mit der Bundesapothekerkammer. Für bislang ungeschulte Apotheker:innen sind 23 Unterrichtsstunden vorgesehen, davon zwölf Selbststudium. Curriculum, Impfbefugnis und Vergütung bleiben getrennte Fragen.

06 · Bluthochdruck auch bei jungen Patient:innen im Blick behalten
Eine australische Querschnittsanalyse zeigt, wie häufig Hypertonie bei 18- bis 39-Jährigen unerkannt bleibt. Für die Sprechstunde: Auffällige Werte auch in diesem Alter bestätigen und nachverfolgen. Die Daten ergeben keine Deutschlandquote.

04 · Deprescribing: nacheinander, behutsam und mit Plan
Die australische Leitlinienzusammenfassung empfiehlt grundsätzlich, ein Medikament nach dem anderen zu reduzieren oder abzusetzen. Wenn Entzug oder Rückfälle zu erwarten sind, schrittweise ausschleichen; Reihenfolge, Rückmeldekriterien, Kontrollen und einen möglichen Wiederbeginn gemeinsam festlegen. Überwiegend Konsens, kein pauschal belegter Mortalitätsvorteil.

Eine Hausärztin bespricht mit einem jungen Patienten einen Versorgungsplan; auf dem Tisch liegen ein Blutdruckmessgerät, Medikamentenpackungen und ein Kalender.
Ein Blick ins Cockpit lohnt sich wieder

Im Hausarzt Intelligence Cockpit wurden die Heilmittel aktualisiert. Außerdem gibt es bessere Hilfe bei der Verordnung für Lip- und Lymphödem und bei den nordrheinischen Post-OP-Ziffern. Schaut mal wieder rein! Und wer hat die Transportschein-Erklärung schon ausprobiert? Ich freue mich auf eure Erfahrungen.

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Alle zwölf Meldungen stehen weiter unten – einfach scrollen. Ältere Nachfunde, darunter die Deprescribing-Leitlinienzusammenfassung vom 6. April, sind mit ihrem ursprünglichen Datum gekennzeichnet.

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Christoph

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Alle 12 Meldungen

Praxisbetrieb

01 · Konnektor-Updates verfügbar

Die KVWL meldet am 14.10. verfügbare Updates für secunet- und RISE-Konnektoren bei der bundesweiten Störung der Telematikinfrastruktur (TI). Die Hersteller rollen sie nach Prüfung aus; verfügbar bedeutet noch keine flächendeckende Entstörung. Die KV rät weiterhin von Neustarts ab.

Praxisaktion: IT-Update bestätigen lassen; nicht eigenständig neu starten.

Quellen: KVWL · 14.10.

Impfungen und Prävention

02 · Vaxigrip kommt später

Nachfund: Die KVSH informiert am 12.10. über Sanofis Lieferplan für Vaxigrip 2026/27. Zehnerpackungen ohne Kanüle sollen zu 65 % in Kalenderwoche 44, zu 35 % in Woche 46 an den Großhandel gehen. Das betrifft diese Packungsvariante; einzelne Praxen haben damit noch keinen garantierten Liefertermin.

Praxisaktion: Bestände und Apothekenlieferungen vor Terminzusagen abgleichen.

Quellen: KVSH · 12.10.

03 · Impfkurs: BÄK widerspricht BAK

Die Bundesärztekammer widerspricht am 14.10. in Deutschland der Darstellung, das Apotheken-Curriculum schaffe die Voraussetzungen für sämtliche Nicht-Lebendimpfungen. Für bislang ungeschulte Apotheker:innen umfasst es 23 Unterrichtsstunden, davon zwölf Selbststudium. Laut BÄK besteht fachlicher Dissens mit der Bundesapothekerkammer fort. Das ist eine Kammerposition, kein Urteil über die Zulässigkeit.

Für den Hinterkopf: Curriculum, Impfbefugnis und Vergütung getrennt bewerten.

Quellen: BÄK · 14.10. · BAK-Curriculum · 13.10.

Sprechstunde und Verordnung

04 · Deprescribing

Nachfund: Quek et al. veröffentlichen am 6.4. im Medical Journal of Australia die Zusammenfassung einer australischen Deprescribing-Leitlinie ab 65. Gemeint ist gezieltes Reduzieren oder Absetzen von Medikamenten: grundsätzlich eines nach dem anderen, mit Plan für Entzug, Rückfälle und möglichen Wiederbeginn. Wesentlich Konsens; ein pauschaler Mortalitätsvorteil ist nicht belegt.

Workflow-Hinweis: Absetzfolge, Rückmeldekriterien und Kontrollen schriftlich festlegen.

Quellen: MJA, Leitlinienzusammenfassung · 6.4.

05 · RESET: Diabetesremission

Nachfund: Leicester berichtet am 9.10. über RESET in England/Kanada: 96 Erwachsene (18-45) mit frühem Typ-2-Diabetes, Adipositas, ohne Insulin. Im RCT erreichten nach 24 Wochen 54 % Remission versus 4 % unter üblicher Versorgung. Auf zwölf Wochen mit 800-900 kcal/Tag und Training folgten Gewichtserhalt und weiteres Training. Remission erforderte mindestens drei Monate ohne Diabetesmedikation. Beschwerden häufiger; Langzeitwirkung offen. Institutsbericht, Journalvolltext nicht zugänglich.

Praxisaktion: Geeignete Patient:innen auf begleitete Remissionsprogramme ansprechen.

Quellen: Leicester, Studienbericht · 9.10.

06 · Junge Hypertonie oft unerkannt

Trivedi et al. publizieren am 14.10. in Hypertension Research australische Querschnittsdaten von 2017-18: Unter 5.217 Menschen (18-39) hatten 10,7 % Hypertonie; nur 9,4 % der Betroffenen wussten davon. 31,6 % der Blutdruckwerte wurden statistisch ergänzt. Eine Sensitivitätsanalyse ergab Ähnliches; eine Deutschlandquote folgt daraus nicht.

Sprechstundenimpuls: Auffällige Werte auch bei jungen Erwachsenen nachverfolgen.

Quellen: Hypertension Research · 14.10.

Sprechstunde und Verordnung

07 · Retatrutid aus dem Graumarkt

JAMA Network Open veröffentlicht am 14.10. eine Reddit-Analyse: 13.589 Accounts berichteten 2023-25 Nutzung des experimentellen Abnehmwirkstoffs Retatrutid, darunter Tachykardie und Palpitationen. Accounts entsprechen nicht sicher einzelnen Personen; Produkte, Dosen und Einnahme sind ungeprüft. Daraus lassen sich weder Nebenwirkungsinzidenzen noch Kausalität ableiten.

Sprechstundenimpuls: Wertfrei nach außerhalb regulierter Wege bezogenen Abnehminjektionen fragen.

Quellen: JAMA Network Open · 14.10.

08 · GLP-1 bei Herzinsuffizienz

Nachfund: Yuan et al., Drugs 26.9.: 14 internationale GLP-1-Studien mit 15.882 Herzinsuffizienzbetroffenen. Metaanalyse staatlich gefördert, keine relevanten Interessenkonflikte erklärt; wichtige Basisstudien Novo-finanziert, mit Sponsorrolle in Planung/Auswertung. Vorteile besonders bei Adipositas mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF), keine einheitlichen bei reduzierter (HFrEF). Heterogene Studien/Subgruppen; Haupttext nicht frei. Finanzierung allein belegt keine reine Werbung.

Praxisaktion: Keine pauschale GLP-1-Empfehlung bei Herzinsuffizienz ableiten.

Quellen: Drugs/Funding · 26.9. · STEP-HFpEF/Sponsor · 2024

Berufspolitik und Versorgung

09 · MEDI erwägt Korbmodell

MEDI GENO Deutschland kündigt am 14.10. eine juristische Prüfung der geplanten verschärften Terminmeldepflicht an. Parallel soll die Bereitschaft für ein Korbmodell erhoben werden: gebündelte Kündigungen von Kassenzulassungen als Druckmittel. Eine Verbandsankündigung, kein Gerichtsurteil und kein vollzogener Systemausstieg.

Für den Hinterkopf: Neue Eskalationsstufe im Konflikt um Praxisautonomie.

Quellen: MEDI · 14.10.

10 · Zuckergetränkesteuer im Kabinett

Die Bundesregierung meldet am 14.10. einen Kabinettsbeschluss zur deutschen Zuckergetränkesteuer. Sie soll ab Juli 2027 wirken und Anreize zur Zuckerreduktion setzen. Ein Verfahrensfortschritt, noch kein verkündetes Steuergesetz; Tarife werden hier nicht behauptet. Der Termin bleibt vom weiteren Gesetzgebungsverfahren abhängig.

Für den Hinterkopf: Strukturelle Prävention macht einen Verfahrensschritt vorwärts.

Quellen: Bundesregierung · 14.10.

11 · PALAS: sorgende Gemeinschaften

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe stellt am 14.10. PALAS vor: bundesfinanziert, Juli 2026 bis Juni 2029. Ein deutschlandweites Netzwerk und bis zu acht Modellstandorte sollen professionelle Versorgung, Kommunen und Nachbarschaften verbinden, auch zur Begleitung am Lebensende. Versorgungsergebnisse sind noch nicht belegt.

Für den Hinterkopf: Mögliche lokale Partner für Hospiz- und Palliativversorgung.

Quellen: KDA · 14.10.

12 · KVBW erwartet Totalverlust

Die KVBW ergänzt am 14.10. ihre Juli-Mitteilung zur Klage wegen Verius-Anlagen von 2019-22: Sie erwartet einen Totalverlust. Täuschungsvorwürfe sind hier nicht gerichtlich festgestellt. Eine Arbeitsgruppe der Vertreterversammlung begleitet das Verfahren; keine neue Verlustsumme oder Honorarkürzung genannt.

Für den Hinterkopf: Finanzkontrolle und Aufklärung in der Selbstverwaltung.

Quellen: KVBW · 14.10.

KI-Transparenz: Die Illustration wurde mit KI erzeugt. KI-Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Aufbereitung. Auswahl, Einordnung und Veröffentlichung verantwortet Christoph Ludwig. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

Christoph Ludwig

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