12. Oktober 2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
im heutigen Briefing geht es unter anderem um folgende Themen:
05 · Erst digital einschätzen lassen – dann zur eigenen Hausarztpraxis?
Dass diese Frage überhaupt im Raum steht, verdient Aufmerksamkeit. In der Debatte über den digitalen Versorgungseinstieg fordert die BÄK: Patient:innen mit bestehender hausärztlicher Anbindung müssen ihre Praxis während der Öffnungszeiten weiterhin direkt kontaktieren können. Digitale Instrumente können unterstützen – der direkte Weg zur vertrauten Praxis soll erhalten bleiben. Eine Position zum GeDIG-Entwurf, keine bereits beschlossene neue Zugangspflicht.
10 · CGRP-Hemmer bei Migräne: kleines Signal für mehr Gefäßereignisse
In US-Versicherungsdaten lagen die gewichteten Raten bei 8,77 statt 6,76 Ereignissen je 1.000 Personenjahre. Beobachtungsdaten mit höheren Ausgangsrisiken: kein Kausalbeweis und keine neue Absetzempfehlung.
08 · Kassen-Scanservice soll wegfallen: Patient:innen sollen selbst hochladen
Der GeDIG-Entwurf will den bisherigen Scanservice streichen. Stattdessen sollen Versicherte oder ihre Vertretung Papierbefunde selbst in die ePA hochladen. Eine Übertragung auf Praxen sieht diese Streichung nicht vor; zusätzliche Hilfsanfragen sind plausibel. Der Entwurf gilt noch nicht.
Alle zwölf Meldungen stehen weiter unten – einfach scrollen. Auch ältere, datierte Fundstücke sind dabei; sie werden mit ihrem ursprünglichen Veröffentlichungsdatum eingeordnet.
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Was ist für euren Praxisalltag hilfreich? Rückmeldungen sind sehr willkommen.
Viele Grüße
Christoph
Alle 12 Meldungen
01 · TI-Störung: nicht neu starten
Die gematik meldet am 12.10. deutschlandweit TI-Verbindungsprobleme bei bestimmten secunet-/RISE-Konnektoren: E-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) und eAU können betroffen sein. Um 22:24 Uhr weiter offen; seit 15:28 Uhr besteht ein manueller Workaround durch den technischen Dienstleister.
Praxisaktion: Betroffene Konnektoren nicht neu starten; Dienstleister kontaktieren.
Quellen: gematik · 12.10. · Status-API
02 · Chronische Versorgung: Koordination
Das EbM-Netzwerk stellt am 12.10. für Deutschland das ChroMo-Positionspapier vor: hausärztlich koordiniertes Monitoring chronischer Erkrankungen, delegierte Befunderhebung und Vergütung der Verantwortung statt einzelner Kontrollen. DMP-Checklisten sollen sich auf Schlüsselinhalte beschränken. Keine neue Vergütungsregel.
Workflow-Hinweis: Kontrollroutinen auf Therapiekonsequenz und Nutzen-Schaden-Verhältnis prüfen.
Quellen: EbM · 12.10. · Positionspapier, S. 2-3
03 · AdAM: kein gesicherter Kostenvorteil
BMC Digital Health veröffentlicht am 7.10. die deutsche AdAM-Kostenanalyse zur digitalen Medikationsprüfung bei Polypharmazie: adjustiert -7,20 Euro je Patient:in/Quartal (95%-KI -109,70 bis +95,30), kein gesicherter Vorteil. Gestaffelte Cluster-Randomisierung; geringe Nutzung, fehlende PVS-Integration, Pandemie und nicht enthaltene Implementierungskosten begrenzen die Aussage.
Für den Hinterkopf: Kein pauschales Urteil über jede Medikationssoftware.
Quellen: BMC Digital Health · 7.10.
04 · Medikationsplan: AOK gegen Extra-Honorar
Die AOK fordert in ihrer deutschen GeDIG-Stellungnahme vom 1.10., Medikationspläne mit regulären Pauschalen/Chronikerzuschlägen abzugelten. Gesonderte EBM-Vergütung soll entfallen; der Vorschlag nennt sogar den 1.10.2026. Verbandsforderung, keine wirksame Kürzung.
Für den Hinterkopf: Daraus allein folgt keine Abrechnungsänderung.
Quellen: AOK · 1.10., S. 19-20
05 · Direkter Praxiszugang soll bleiben
Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert am 12.10. zum deutschen Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG): Direkter Praxiskontakt muss bei primärärztlicher Bindung während der Öffnungszeiten möglich bleiben; nach ärztlicher Überweisung keine erneute digitale Bedarfseinschätzung.
Für den Hinterkopf: Forderung für kontinuierliche Versorgung, keine geltende Zugangsvorgabe.
Quellen: BÄK · 12.10., S. 11, 14-15
06 · BtM-/T-Rezepte: Lücke bis 2028?
Die BÄK kritisiert am 12.10. im deutschen GeDIG-Entwurf elektronische Betäubungsmittel-/T-Rezepte erst ab 1.3.2028. T-Rezepte sind Sicherheitsrezepte für bestimmte Arzneimittel. Diese Verordnungen fehlen weiter in der elektronischen Medikationsliste. Sicherheitsbewertung, kein geltender neuer Termin.
Praxisaktion: BtM-/T-Rezepte beim Medikationsabgleich separat erfassen.
Quellen: BÄK · 12.10., S. 13
07 · Pflegegutachten in die ePA?
Der Medizinische Dienst Bund fordert am 12.10. zum deutschen GeDIG: Pflegekassen sollen Pflegegutachten oder enthaltene Präventions-/Rehaempfehlungen mit Zustimmung der Versicherten in die ePA einstellen, strukturiert, übergangsweise als PDF. Keine geltende Uploadpflicht.
Für den Hinterkopf: Empfehlungen könnten besser in der Weiterbehandlung ankommen.
Quellen: MD Bund · 12.10., S. 9
08 · Kassen-Scanservice: Wer übernimmt?
Die Bundesregierung will im deutschen GeDIG-Entwurf vom 30.9. den Kassen-Scanservice (§ 350a SGB V) streichen: bislang zweimal/24 Monate je zehn Papierdokumente für die ePA. Begründung: geringe Nutzung/Kosten. Versicherte oder ihre Vertretung sollen selbst hochladen. Keine Übertragung auf Praxen; laut KBV keine Pflicht zum Einpflegen alter Papierbefunde.
Für den Hinterkopf: Zusätzliche Praxis-Hilfsanfragen sind plausibel; der Entwurf gilt noch nicht.
Quellen: RegE · 30.9., S. 41, 163 · § 350a · KBV-FAQ
09 · BÄK gegen Apotheken-Telemedizin
Die BÄK fordert am 12.10. zum deutschen GeDIG, assistierte Apotheken-Telemedizin samt ePA-Zugriff zu streichen. Sie nennt Zweig-/Teampraxen und telemedizinisch unterstützte MFA-Hausbesuche als Alternativen. Fachpolitische Position ohne vergleichenden Nutzennachweis; keine beschlossene Streichung.
Für den Hinterkopf: Konflikt um knappe Versorgungsressourcen.
Quellen: BÄK · 12.10., S. 12-13
10 · CGRP: kleines Gefäßrisikosignal
Neurology berichtet online am 7.1. aus US-Versicherungsdaten: 900.370 Migränebetroffene, 18-64 Jahre. Unter CGRP-Hemmung eines Migräne-Botenstoffs mehr Gefäßereignisse: gewichtet 8,77 statt 6,76/1.000 Personenjahre; aHR 1,26 (95%-KI 1,10-1,45). Ausgangsrisiken höher; Beobachtungsdaten, kein Kausalbeweis oder individuelles Jahresrisiko.
Sprechstundenimpuls: Kardiovaskuläre Risiken abwägen; keine neue Absetzempfehlung.
Quellen: Neurology · Online-first 7.1.
11 · Überweisungspflicht spart nicht allein
Die OECD veröffentlicht am 29.5. einen 38-Länder-Review: 31 steuern Facharztzugang primärärztlich, sieben freiwillig. Gemischte Evidenz: tendenziell weniger Facharztkontakte/Klinikaufnahmen, mehr Primärversorgung; begrenzte Einsparungen. Kein Kausalnachweis für Deutschland. Kapazität, Vergütung, private Ausweichwege und Schutz vulnerabler Gruppen zählen.
Für den Hinterkopf: Überweisungspflicht allein garantiert keine Einsparung.
Quellen: OECD · 29.5., S. 5-6, 39-40
12 · Blutdruck: größter Modellhebel
Die American Heart Association stellt am 11.10. in Arlington ein vorläufiges 20-Länder-Modell vor: Versorgung von etwa 80 % der Berechtigten könnte jährlich 518.000 kardiovaskuläre Todesfälle durch Blutdruckkontrolle vermeiden, gegenüber 341.000 durch Statine, 310.000 durch Glukosekontrolle. Szenarien nicht addierbar; nicht peer-reviewt, keine deutsche Prognose.
Für den Hinterkopf: Blutdruckkontrolle hat im Modell den größten Präventionshebel.
Quellen: AHA · Kongressbefund 11.10.
KI-Transparenz: Die Illustration wurde mit KI erzeugt. KI-Werkzeuge unterstützen die redaktionelle Aufbereitung. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.